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Elternzeit


Wiedereinstieg nach der Babypause


Von ANNA BRÜNING
Ein Kind verändert alles: die Beziehung, die Prioritäten und die berufliche Situation. Viele Mütter (und ab und zu die Väter) setzen mindestens ein Jahr aus. Einige verlängern die Auszeit und bleiben zwei oder gar drei Jahre zu Hause. Doch was kommt danach?
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Foto: Anatoliy Samara - Fotolia.com
Ein Jahr ganz Mama sein ist für die meisten Mütter ganz normal. Doch nicht alle kommen danach leicht wieder in den Job.

Irgendwann kommt der Tag, an dem es weitergehen muss. Viele Frauen möchten in Teilzeit wieder einsteigen. „Einige Firmen tun sich aber immer noch schwer, qualifizierte Teilzeitjobs zu vergeben“, so Gudrun Herrmann, Pressesprecherin des Netzwerks LinkedIn und Partnerin in einer Marketing-Agentur. In anderen Ländern, beispielsweise in den USA, gibt es eine ganz andere Arbeitskultur, die es Frauen leichter macht. „Dort zählt Qualität, nicht Quantität“, weiß Gudrun Herrmann aus eigener Erfahrung. „Die Arbeitszeiten sind viel flexibler.“ Das bedeutet zwar, dass man auch mal Wochenendschichten einschiebt, um die Arbeit zu bewältigen, dafür aber auch kurzfristig reagieren kann, wenn die Kinderbetreuung ausfällt.

In Deutschland beginnt die Entwicklung zu mehr Flexibilität gerade erst. Deshalb ist es extrem wichtig, dass Mütter ein Netzwerk aufbauen, dass ihnen auch in schwierigen Zeiten helfen kann. „Man darf nicht schüchtern sein“, betont Gudrun Herrmann. „In Online-Business-Netzwerken fällt es leichter, die Menschen direkt anzuschreiben, das sollte unbedingt genutzt werden.“

WUNDERWEIB.de hat bei drei Frauen und einem Mann nachgefragt, wie sie nach der Babypause wieder zurück in den Job gefunden haben.

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Wiedereinstieg nach der Babypause

Mein Wiedereinstieg

„In Deutschland ist die Akzeptanz für Mütter nicht besonders groß.“

Meike S., 36, war Personalreferentin in Köln, als ihre kleine Emilia im Februar 2009 kam. Sie nahm sich ein Jahr, in dem sie sich ganz ihrer Tochter widmete.

„Ich habe schon sechs Jahre bei einer kanadischen Lebensversicherung in Köln gearbeitet, als Emilia kam. Nach einem Jahr konnte ich zum Glück wieder in Teilzeit mit 24 Stunden pro Woche bei der gleichen Firma anfangen. Ich bin ein echter Fan von Teilzeit: So hat man nachmittags genug Zeit für das Kind, steckt aber vormittags voll im Job.

Mein Einstieg lief glücklicherweise völlig reibungslos ab. Schon bevor ich in die Pause gegangen bin, wurden alle Bedingungen schriftlich fixiert, mein Chef ließ sich sofort auf meine Wünsche ein. In dieser Hinsicht habe ich einfach Glück gehabt – für die meisten Mütter läuft es ganz anders. Viele, die ich kenne, mussten klagen, um Teilzeit arbeiten zu können, eine gute Freundin wurde erst kürzlich nach ihrer Elternzeit aus der Firma „rausgekauft“. In Deutschland ist die Akzeptanz für Mütter nicht besonders groß. Viele Chefs denken, dass Mütter alle zwei Wochen fehlen, weil das Kind krank ist oder die Betreuung ausfällt – aber das muss nicht sein. Gerade wenn man Bedingungen schafft, die kinderfreundlich sind, können Mütter viel leisten. Gute Möglichkeiten, familienfreundlicher zu werden sind beispielsweise die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten oder die Integration von Mutter-Kind-Büros, in die das Kind auch mal drei Stunden mitgebracht werden kann.

Wer ein Kind bekommt und im Job pausieren möchte, sollte auch in der Abwesenheit Kontakt zu den Kollegen und zum Chef halten. Ich war während der Elternzeit bei den großen Konferenzen, Weihnachtsfeiern und Firmenfesten dabei. Das ist eine nette Abwechslung, man bleibt im Gespräch und bekommt mit, was sich in der Firma gerade ändert. So startet man nicht bei Null und das Unternehmen erkennt die ganze Zeit, dass das Interesse am Job bestehen bleibt.

Jetzt bin ich vor vier Wochen nach München gezogen, musste meinen Job aufgeben und beginne nun, neu zu suchen. Diese Situation ist schwieriger, als der Wiedereinstieg nach der Elternzeit – vor allem, weil ich weiterhin in Teilzeit arbeiten möchte. Aber ich bleibe optimistisch!"

Mein Wiedereinstieg

„Durch Netzwerke wird der Wiedereinstieg viel leichter.“

Michael Rajiv Shah, 46, arbeitete als selbstständiger Social Networking Coach in Wien, als er im Juli 2008 Vater der kleinen Tara Shanti Larissa wurde. Er pausierte zweieinhalb Jahre.

"Meine Frau hatte bereits zwei Kinder, als ich sie kennen gelernt habe. Zum Glück war sie trotzdem einverstanden, dass wir noch ein gemeinsames Kind bekommen – unter der Bedingung, dass ich mit dem Kind in Karenz (Anm. d. Red.: Modell aus Österreich, ähnlich wie die deutsche Elternzeit) gehe. Ich war das erste Mal in einer Situation, in der ich nicht den starken Mann raushängen lassen und das Geld heranschaffen musste – toll! Meine Frau arbeitet als Geschäftsführerin der Mietervereinigung, ich konnte als Selbstständiger meine Zeit frei gestalten.

Ich empfand die Karenz als großen Luxus. Es gibt für Kinder nichts Wichtigeres als ausgeglichene, zufriedene Eltern. Und das konnten wir den Kindern bieten.

In der Zeit der Karenz habe ich intensiv Netzwerke genutzt, um im Gespräch zu bleiben. Das kann ich jedem empfehlen – allerdings darf man Netzwerke nicht als Akquise-Plattformen sehen. Es ist ein langsamer, langfristiger Prozess, mit dem man ‚Serendipity’ herstellen kann, das heißt man erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass hilfreiche Zufälle entstehen, anstatt ständig unter Druck zu stehen.

Auch bei mir hat es so geklappt: Ich wurde von einem Verlag angesprochen, ob ich ein Buch über XING und LinkedIn schreiben kann. Das war der perfekte Auftrag zum Wiedereinstieg für mich. Ich bin während der Babypause auch häufig mit Kind zu Veranstaltungen gegangen und habe genau dadurch viele Kontakte gewonnen. Gerade Männer reagierten sehr positiv.

Man sollte sich in der Auszeit nicht komplett aus allem herausziehen. Wer Menschen begegnet, begegnet auch Zufällen. Ich glaube fest daran: Wer nach einer Mutter- oder Vaterschaft mit einem klaren Ziel auf den Arbeitsmarkt geht und Netzwerke nutzt, wird genau diesen Job bekommen – oder man muss ihn eben selbst machen!"

Mein Wiedereinstieg

„Job und Familie – da bleibt Vieles auf der Strecke“

Sabine M., 36, hatte bereits Personalverantwortung bei Yahoo! im Bereich Suchmaschinenmarketing, als im August 2010 ihre Tochter Paula geboren wurde. Nach sechs Monaten Babypause konnte sie in ihre alte Stelle zurück – und bekam trotz Teilzeit sogar noch mehr Verantwortung.

"Als ich schwanger wurde, war mir klar, dass sich vieles ändert – doch meinen Job wollte ich nie aufgeben. Ich ziehe viel Selbstbestätigung aus der Arbeit und meine finanzielle Unabhängigkeit war mir immer wichtig. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, schon nach sechs Monaten zurück in den Job zu gehen. Um diesen Plan umsetzen zu können, habe ich früh Krippen kontaktiert und riesiges Glück gehabt, einen Platz zu bekommen. Nach einem halben Jahr war ich froh, mich wieder geistigen Herausforderungen stellen zu können. Die Arbeit tut mir gut, ich bin viel ausgeglichener, als wenn ich nur zu Hause wäre. Das kommt auch Paula zugute.

Meine Chefin, selbst Mutter, hatte viel Verständnis für meinen Wusch, Teilzeit wieder einzusteigen. Ich konnte auch mit reduzierter Stundenzahl zurück auf meine alte Stelle. Nach sechs Monaten fällt der Einstieg nicht ganz so schwer wie nach einem längeren Zeitraum. Ich war nicht allzu lange raus und schnell wieder eingearbeitet – das sieht nach zwei Jahren sicherlich ganz anders aus.

Als sich bei meiner Chefin Ende 2011 ein zweites Kind ankündigte, bekam ich sogar die Chance auf einen Karrieresprung. Als Head of Partner Development Europe leite ich seit Februar 2012 ein Team von sieben Mitarbeitern in London und Paris. Es ist nicht die Regel, solch eine Stelle mit einer Teilzeitkraft zu besetzen. Es ist nicht die Regel, solch eine Stelle mit einer Teilzeitkraft zu besetzen. Aber ich versuche die Aufgaben möglichst effizient und diszipliniert in meinen 24 Stunden pro Woche zu erledigen, damit ich meine Tochter pünktlich abholen kann. Mehrarbeit bleibt nicht aus, aber manches geht zum Glück via Blackberry auch vom Spielplatz aus.

Obwohl ich sehr froh bin, den Job zu haben, muss ich zugeben, dass Vieles auf der Strecke bleibt. Gemütlich mit den Kollegen Mittagessen gehen, netzwerken, Kaffee trinken gehen – all das ist für mich kaum möglich, da ich wegen Paula nicht einfach eine Stunde länger im Büro bleiben kann. Wer sich für ein Kind entscheidet, muss genau abwägen, was beruflich möglich und wichtig ist und dann die Wünsche offen mit dem Arbeitgeber besprechen.

Leider haben viele Frauen in Deutschland oftmals gar nicht die Wahlmöglichkeit nach der Babypause wieder arbeiten zu gehen, da sie nicht sicher sein können, einen Krippenplatz zu bekommen. Zudem gilt leider noch oft und häufig zu unrecht: Wer lange im Büro sitzt, arbeitet auch viel. Diese Präsenzkultur macht es für Mütter im Vergleich zu Kollegen ohne Familie schwieriger beim Chef zu punkten und beruflich voranzukommen. Ich sehe es allerdings anders: Die Arbeit muss erledigt werden, doch das geht auch mal von zu Hause aus und in Teilzeit. Arbeitgeber sollten ihren Angestellten mehr vertrauen und Eigenverantwortung zugestehen, dann werden sie bald feststellen, dass die meisten Mütter auch die effizientesten Mitarbeiter sind!"

Mein Wiedereinstieg

„Als Mutter verändern sich die Prioritäten“

Doreen W., 32, Einkaufsassistentin aus München, brachte im August 2010 Marlene zur Welt. Sie setzte 18 Monate im Job aus, um sich ganz um ihre Tochter zu kümmern.

„Bevor ich meine Tochter bekam, war ich mit 40 Stunden bei einem großen Unternehmen aus dem Messewesen beschäftigt. Im August 2010 wurde dann meine Tochter geboren und ich ging in die Babypause und setzte 18 Monate aus.

Eigentlich wäre ich gern wieder mit 20 Stunden eingestiegen. Mit etwas Zähneknirschen des Arbeitgebers hätte ich das auch umsetzen können; allerdings haben mir die Krippenkosten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei 20 Stunden hätte ich fast nur für die Betreuung gearbeitet. Somit habe ich mich für 30 Stunden entschieden und das klappt gut.

Ich habe Glück, in einem sehr familienfreundlichen Unternehmen zu arbeiten, dass durch einen hohen Frauenanteil an viele Halbtags- und Teilzeitmodelle gewöhnt ist. Der Wiedereinstieg verlief deshalb überraschend reibungslos. Ich habe während der Auszeit ständig Kontakt zu meinem Arbeitgeber und vielen Kollegen gehalten, so habe ich von Umstrukturierungen erfahren und war nicht ganz „raus“.

Obwohl sich mein Aufgabenbereich verändert hat, sitze ich immer noch in der gleichen Abteilung bei den gleichen Kollegen wie vorher. Das war Zufall, gutes Timing und eine große Portion Glück. Ich hätte aber auch jede andere Aufgabe angenommen, wäre auch ins Callcenter gegangen. Es ist wichtig, nach einer Babypause offen für alles zu sein. Als Mutter verändern sich die Prioritäten. Ich bin froh, einen guten Arbeitgeber und mein geregeltes Einkommen zu haben. Die Aufgaben an sich sind dann eher nebensächlich. Diese Offenheit kann ich anderen Frauen nur empfehlen: Man sollte bereit sein, sich zu verändern. Dann ist die Enttäuschung nicht so groß, wenn nach der Babypause nicht alles wie vorher ist.“


Veröffentlicht in WUNDERWEIB
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